Brunold krönt Traumwoche in Tulln mit erstem Challenger Titel

Foto: NÖ Open/Manfred Binder

Mika Brunold hat seine beeindruckende „Road to Sunday“ bei den NÖ Open powered by EVN mit dem größten Erfolg seiner bisherigenKarriere gekrönt. Der Schweizer Qualifikant setzte sich am Sonntag vor einem sehr gut besuchten Center Court in der Gartenstadt Tulln gegen Joao Lucas Reis da Silva mit 6:4, 6:3 durch und feierte damit seinen ersten Titel auf ATP-Challenger-Ebene. Der Brasilianer, der auf dem Weg ins Endspiel keinen einzigen Satz abgegeben hatte, musste sich erst im Finale geschlagen geben.

Dass Mika Brunold nach sieben Matches innerhalb von acht Tagen tatsächlich den Siegerpokal in die Höhe stemmen würde, hatte nach der ersten Qualifikationsrunde wohl kaum jemand im SPORTLAND Niederösterreich erwartet. Der Schweizer selbst sprach damals bereits von seiner persönlichen „Road to Sunday“ – und bekam zusätzlich einen Glückskeks mit einer bemerkenswert passenden Botschaft: „Nothing will stop you, you’ll win!“ Was zunächst wie eine nette Randgeschichte wirkte, wurde am Sonntag Realität.

Brunold erwischte den besseren Start ins Finale und nahm Reis da Silva gleich früh den Aufschlag ab. Der Brasilianer fand danach besser in die Partie und schaffte zum 3:3 den Ausgleich, doch Brunold antwortete umgehend mit dem nächsten Break. Der 21-Jährige agierte enorm spielintelligent, variierte immer wieder zwischen Spin, Slice und druckvollen Schlägen und stellte seinen Gegner damit vor unterschiedliche Aufgaben. Nach 48 Minuten verwertete er seinen vierten Satzball zum 6:4.

Auch im zweiten Durchgang legte Brunold mit einem frühen Break vor und ließ sich anschließend nicht mehr von seinem Weg abbringen. Reis da Silva stemmte sich bis zuletzt gegen die Niederlage und wehrte beim Stand von 3:5 bei eigenem Aufschlag noch einen ersten Matchball ab. Wenig später machte Brunold bei eigenem Aufschlag alles klar: Nach 1:22 Stunden verwertete er seinen zweiten Matchball zum 6:4, 6:3 und ließ sich anschließend vom Tullner Publikum feiern.

„Es ist unglaublich. Es war ein harter Fight, er hat mir das Leben sehr schwer gemacht. Ich bin sehr froh darüber, wie ich Lösungen gefunden und wie ich gekämpft habe. Es ist unbeschreiblich“, strahlte Brunold nach seinem bislang größten Karriereerfolg. Für den bisherigen Weltranglisten-410. bedeutet der Triumph auch einen gewaltigen Sprung im ATP-Ranking: Im Live-Ranking wird der Schweizer bereits auf Position 257 und damit so hoch wie noch nie geführt. Einen konkreten Rang als Karriereziel wollte er dennoch nicht ausgeben: „Das Wichtigste ist, verletzungsfrei zu bleiben und Spaß dabei zu haben. Ich habe in den vergangenen Wochen sehr gut gearbeitet, war glücklich und alles hat gepasst. Ich glaube, das ist bisher mein Rezept – und weiterhin Glückskekse essen.“

Auch Reis da Silva zog trotz der Finalniederlage eine positive Bilanz. Für den Brasilianer war es das zweite Challenger-Endspiel der Saison. „Es war eine sehr positive Woche. Ich habe dieses Level in den vergangenen Monaten nicht immer abrufen können, deshalb bin ich sehr glücklich, hier das Finale erreicht zu haben“, erklärte Reis da Silva, der Brunold ausdrücklich zu dessen Leistung gratulierte. „Mika hat hier unglaubliches Tennis gespielt. Gleichzeitig möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses Turnier möglich gemacht und dafür gesorgt haben, dass wir uns die ganze Woche wie zu Hause gefühlt haben.“

Im Rahmen der großen Siegerehrung auf dem Center Court überreichte ÖTV-Präsident Richard Grasl dem Zweitplatzierten den Pokal sowie eine Flasche Sekt vom Weingut Jurtschitsch. Turniersieger Mika Brunold wurde von Niederösterreichs LH-Stellvertreter Udo Landbauer ausgezeichnet.

Leitgeb: „Das Publikum hat gezeigt, dass hier echte Tennisfans sitzen“

Mit dem Finale ging die sechste Auflage der NÖ Open powered by EVN zu Ende. Turnierdirektor Florian Leitgeb von Champ Events zog nach einer intensiven Woche eine ausgesprochen positive Bilanz. Auch ohne österreichische Beteiligung am Finalsonntag war der Center Court noch einmal sehr gut besucht.

„Wir sind sehr zufrieden. Es waren auch die Richtigen im Finale, beide haben sich das mit großem Tennis über die gesamte Woche verdient. Mika hat heute noch einmal eine Schippe draufgelegt und ist ein verdienter Sieger“, bilanzierte Leitgeb. „Natürlich wären wir noch zufriedener gewesen, wenn am Sonntag noch ein Österreicher im Bewerb gestanden wäre. Umso schöner ist es, dass so viele Menschen gekommen sind. Das Publikum war dankbar für das Tennis, das hier gezeigt wurde.“

Mit Lukas Neumayer hatte es der beste Österreicher bei der diesjährigen Auflage bis ins Viertelfinale geschafft. Den Schlusspunkt setzte schließlich Mika Brunold – mit sieben Siegen in acht Tagen, seinem ersten Challenger-Titel und einem Glückskeks, dessen Prophezeiung in Tulln tatsächlich Wirklichkeit wurde.

Fotos: NÖ Open/Manfred Binder

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