Neumayer jubelt nach Marathon-Match

Foto: NÖ Open/Manfred Binder

Lukas Neumayer hält bei den NÖ Open powered by EVN (6. bis 13. September 2026) die österreichischen Hoffnungen am Leben. Der Finalist von 2024 setzte sich am Donnerstag in einem hochklassigen und dramatischen Achtelfinale nach knapp drei Stunden gegen den Argentinier Juan Manuel La Serna mit 7:5, 6:7, 6:1 durch und steht damit als einziger Österreicher im Viertelfinale. Dort trifft der Salzburger auf Joao Lucas Reis da Silva, der sich ebenso wie sein brasilianischer Landsmann Gustavo Heide in zwei Sätzen durchsetzte. Für Filip Misolic war hingegen gegen den Schweizer Qualifikanten Mika Brunold nach drei Sätzen Endstation.

Die Partie zwischen Lukas Neumayer und Juan Manuel La Serna (ARG) war von Beginn an von zahlreichen Breaks geprägt. Nach einem offenen Start fand Neumayer zunehmend seinen Rhythmus und erarbeitete sich einen Vorteil. Beim Stand von 5:4 hatte der Salzburger bei eigenem Aufschlag bereits die Chance, den ersten Satz zu beenden, musste jedoch das Rebreak hinnehmen. La Serna konnte seinen Aufschlag anschließend ebenfalls nicht durchbringen, Neumayer stellte auf 6:5 und wehrte in seinem nächsten Servicegame einen Breakball ab, ehe er den ersten Satz mit 7:5 unter Dach und Fach brachte.

Auch im zweiten Durchgang schenkten sich die beiden nichts. Neumayer erspielte sich erneut Vorteile, schaffte es aber nicht, die Partie bei eigenem Aufschlag zu beenden. Die Entscheidung musste im Tiebreak fallen – und dort entwickelte sich ein Tennis-Krimi auf hohem Niveau. Der 24-Jährige wehrte mit einem Vorhand-Winner einen Satzball ab, auf der Gegenseite entschärfte La Serna Matchbälle des Österreichers. Beide gingen volles Risiko, ehe sich der Argentinier schließlich den zweiten Durchgang sicherte und den Entscheidungssatz erzwang.

„Mein Level war heute richtig gut. Das Problem war nur, dass es die ganze Zeit ein Auf und Ab war. Ich war vorne, hatte Breakvorsprung und innerhalb einer Minute war das Rebreak da. Deshalb hat sich das Match auch so gezogen“, bilanzierte Neumayer. „Natürlich ist es ein bisschen ärgerlich, dass ich vielleicht eine Stunde länger auf dem Platz gestanden bin, als es notwendig gewesen wäre. Aber vom Level her war es eine klare Steigerung zur ersten Runde.“

Fulminanter Neumayer lässt im dritten Satz nichts anbrennen

Den bitteren Verlust des zweiten Satzes steckte der Salzburger bemerkenswert schnell weg. Neumayer erhöhte im Entscheidungssatz noch einmal das Tempo, startete sofort mit einem Break und zog auf 3:0 davon. La Serna musste sich daraufhin am linken Oberschenkel behandeln lassen. Der 24-Jährige hielt den Druck hoch, gönnte seinem Gegner kaum noch Verschnaufpausen und machte mit einem klaren 6:1 den Viertelfinaleinzug perfekt.

„Am Schluss habe ich im dritten Satz wirklich gutes Tempo gespielt. Dass du nach so einem bitteren zweiten Satz ruhig bleibst und dann trotzdem 6:1 gewinnst, darüber bin ich schon sehr happy“, erklärte Neumayer, der auch körperlich keinerlei Probleme verspürte. „Mir ist es richtig gut gegangen. Ein Best-of-Five-Match wäre heute auch gegangen. Gerade weil extrem lange Ballwechsel dabei waren, war ich selbst ein bisschen überrascht, dass es körperlich so gut funktioniert hat.“

Nun wartet mit Joao Lucas Reis da Silva der nächste Südamerikaner. „Ich habe am Montag mit ihm trainiert. Er ist ein richtig guter Spieler und sehr gut in Form. Vom Level her wird es ähnlich wie heute sein. Aber diese Schwächephasen, die ich heute hatte, darf ich mir morgen nicht erlauben“, weiß Neumayer. An seinen Chancen zweifelt er dennoch nicht: „Wenn mir das gelingt, glaube ich, dass ich das auf jeden Fall wieder gewinnen kann.“

Misolic muss sich nach hartem Kampf Brunold geschlagen geben

Nach einer rund zweistündigen Regenverzögerung erwischte Filip Misolic gegen den Schweizer Qualifikanten Mika Brunold einen denkbar schlechten Start. Der Österreicher lag rasch mit 0:4 zurück und fand gegen das unkonventionelle Spiel seines Kontrahenten zunächst überhaupt keinen Rhythmus. Brunold agierte nahezu fehlerlos, variierte geschickt, setzte immer wieder gefühlvolle Stopps ein und entschied den ersten Satz nach nur 33 Minuten klar mit 6:1 für sich.

Der Steirer, der nach seiner langen Verletzungspause in Tulln sein zweites Match auf Sand bestritt, kam im zweiten Durchgang deutlich besser in die Partie. Gleich zu Beginn wehrte er einen Breakball ab und nahm anschließend erstmals Brunolds Aufschlag ab. Der 25-Jährige zog auf 3:0 davon, doch der Schweizer ließ sich davon nicht beeindrucken und stellte auf 3:3. In der Folge entwickelte sich eine offene Partie, in der Misolic diesmal die Nerven behielt und sich den zweiten Satz im Tiebreak sicherte.

„Ich habe das ganze Match irgendwie mein Spiel gesucht. Ich habe wirklich versucht, alles zu geben, aber heute hat es leider nicht gereicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Ball im Vergleich zu seinem ziemlich langsam ist. Im zweiten Satz war es etwas anders, aber generell war ich heute eher der passive Spieler. Mit dem aggressiven Spiel hat es einfach nicht so geklappt“, bilanzierte Misolic.

Vor dem dritten Satz musste Misolic wegen muskulärer Probleme behandelt werden. Danach ähnelte das Bild wieder jenem des ersten Durchgangs: Brunold gelang früh das Break, während Misolic vor allem bei der Spieleröffnung mit Aufschlag und Return nicht genügend Druck entwickeln konnte. Der Österreicher kämpfte um den Anschluss, Brunold blieb jedoch konsequent und verwandelte nach rund 2:10 Stunden mit einer gechippten Rückhand seinen ersten Matchball. „Es waren heute ganz andere Bedingungen als in den letzten Tagen. Ich glaube, es war ein Vorteil, dass ich die Qualifikation gespielt habe, weil es dort ähnlich war wie heute“, erklärte Brunold. „Filip hat stark gespielt und vor allem im zweiten Satz stark gefightet.“

Heide und Reis da Silva makellos

In den beiden weiteren Partien ohne österreichische Beteiligung gaben sich die Brasilianer Gustavo Heide und Joao Lucas Reis da Silva keine Blöße. Der an Nummer zwei gesetzte Heide hatte gegen den deutschen Qualifikanten Diego Dedura zunächst alles im Griff. Nach einem klaren ersten Satz kam Dedura im zweiten Durchgang zwar deutlich besser ins Spiel, doch als es darauf ankam, legte Heide noch einmal zu und fixierte mit 6:1, 7:5 den Einzug in die nächste Runde. Ebenfalls ohne Satzverlust blieb Reis da Silva, der sich im rein brasilianischen Duell gegen Thiago Monteiro souverän mit 6:3, 6:4 durchsetzte.

Auf Heide wartet nun Mika Brunold. „Ich habe vor zwei Jahren beim ATP-Turnier in Gstaad gegen ihn gespielt. Aber hier können alle Tennis spielen. Ich werde jetzt regenerieren und morgen wieder alles geben“, blickte der Schweizer bereits auf das nächste Duell voraus. Reis da Silva bekommt es mit dem letzten Österreicher im Turnier, Lukas Neumayer, zu tun.

Fotos: NÖ Open/Manfred Binder

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