Ungesetztes Finalduell: Brunold trifft in Tulln auf Reis da Silva
Das Finale (Sonntag um 12:30 Uhr) der NÖ Open powered by EVN (6. bis 13. September 2026) steht fest – und bringt am Sonntag ein Duell zweier ungesetzter Spieler. Der Schweizer Qualifikant Mika Brunold setzte seinen beeindruckenden Erfolgslauf mit einem klaren 6:0 und 6:2 gegen Vitaliy Sachko (UKR) fort und trifft im Endspiel in der Gartenstadt Tulln auf Joao Lucas Reis da Silva. Der Brasilianer präsentierte sich auch gegen Alex Barrena (ARG) äußerst konstant und zog mit einem souveränen 6:2 und 6:3 in sein zweites ATP-Challenger-Finale des Jahres ein.
Mika Brunold begeisterte mit einer wahren Halbfinalgala bei den NÖ Open powered by EVN. Der Schweizer Qualifikant ließ dem als Nummer vier gesetzten Ukrainer Vitaliy Sachko im ersten Semifinale auf dem bestens besuchten Center Court keine Chance und zog mit einem überzeugenden 6:0und 6:2 erstmals in seiner Karriere in ein ATP-Challenger-Finale ein.
Brunold war vom ersten Ballwechsel an präsent und drückte der Partie sofort seinen Stempel auf. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, gleichzeitig variabel und immer wieder mit überraschenden Lösungen, ließ der 21-Jährige seinen Gegner überhaupt nicht ins Spiel kommen. Sachko, der schnelle und flache Ballwechsel bevorzugt, fand kein Mittel, um den Rhythmus des Schweizers zu durchbrechen. Nach gerade einmal 20 Minuten machte Brunold den ersten Satz mit einem sehenswerten Rückhand-Longline-Winner zum 6:0 perfekt.
„Ich war sehr gut vorbereitet und habe wirklich bei jedem Punkt versucht, alles zu geben und das Maximum herauszuholen. Das hat sehr gut geklappt“, erklärte Brunold. Auch taktisch ging sein Plan voll auf: „Ich wusste, dass er gerne flache Bälle spielt. Deshalb habe ich versucht zu variieren und auch einmal höhere Bälle einzustreuen. Vor allem im ersten Satz hat er dadurch überhaupt keinen Rhythmus bekommen.“
Zu Beginn des zweiten Durchgangs fand Sachko besser in die Partie und erspielte sich gleich mehrere Breakmöglichkeiten. Brunold wehrte beide ab – und brachte anschließend den Schweizer Express wieder auf Touren. Mit seinem unkonventionellen und abwechslungsreichen Spiel hielt er Sachko permanent unter Druck und spielte seine Chancen eiskalt aus. Nach nur 1:11 Stunden verwertete Brunold seinen ersten Matchball zum 6:0 und 6:2.
„Es ist mein erstes Challenger-Finale. Ich bin sehr froh und sehr glücklich über meine Leistung heute“, sagte Brunold, der von einem perfekten Tennistag dennoch nichts wissen wollte: „Einen perfekten Tag gibt es nicht. Ich kann immer noch viele Sachen besser machen. Aber ich habe um jeden Punkt gekämpft und jedes Mal versucht, mein Bestes zu geben.“
Der Erfolgslauf in Tulln macht sich mittlerweile auch in der Weltrangliste bemerkbar. Als Nummer 410 der Welt ins Turnier gestartet, wird Brunold vor dem Finale im ATP-Live-Ranking bereits auf Position 326 geführt. Nach zwei Siegen in der Qualifikation und vier Erfolgen im Hauptbewerb steht der Schweizer damit bei sechs Siegen innerhalb einer Woche. Dass er tatsächlich bis zum Finalsonntag bleiben würde, hatte Brunold übrigens schon früh nach seinem ersten Spiel angekündigt – mit Unterstützung eines Glückskekses. „Bevor ich ihn geöffnet habe, habe ich meinem Coach gesagt: Was da drinsteht, gilt für diese Woche.“ Die Botschaft: „Nothing will stop you, you’ll win.“
Reis da Silva setzt seinen Lauf fort
Im zweiten Semifinale bestätigte Joao Lucas Reis da Silva die starke Form, die ihn bereits durch die gesamte Turnierwoche getragen hatte. Der Brasilianer agierte gegen Alex Barrena von Beginn an äußerst solide, hielt mit seinen druckvollen Schlägen konstant eine starke Länge und nutzte konsequent aus, dass der Argentinier phasenweise weit hinter der Grundlinie agierte. Reis da Silva diktierte dadurch zahlreiche Ballwechsel und hatte im ersten Satz nur wenig Mühe, das Geschehen unter Kontrolle zu halten.
Auch im zweiten Durchgang erwischte der Brasilianer den besseren Start und nahm Barrena früh den Aufschlag ab. Zwar gelang dem Argentinier postwendend das Rebreak, Reis da Silva ließ sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen. Er erhöhte erneut den Druck, holte sich das nächste Break und zog sein hohes und vor allem konstantes Niveau bis zum letzten Ballwechsel durch und setzte sich klar mit 6:2 und 6:3 durch.
„Es fühlt sich richtig gut an. Ich bin sehr glücklich, weil es mein zweites Finale in diesem Jahr ist und die vergangenen Monate mit vielen Höhen und Tiefen nicht einfach waren“, erklärte Reis da Silva. Vor seinem Auftritt in Tulln hatte er bei fünf Turnieren in Folge jeweils zum Auftakt verloren. „Das ist das Schöne am Tennis: Jede Woche bekommt man eine neue Chance. Hier habe ich von Match zu Match gedacht und mein Niveau immer weiter gesteigert.“
Als Schlüssel gegen Barrena sah der Brasilianer die Mischung aus Sicherheit und offensivem Spiel: „Alex ist ein sehr guter Wettkämpfer und unglaublich solide. Ich wollte ihm deshalb keine einfachen Punkte schenken und dann selbst aggressiv werden. Als mir das erste Break gelungen ist, konnte ich etwas befreiter spielen.“
Vor dem Finale am Sonntag, 13. September 2026 um 12:30 Uhr gegen Brunold ist der Respekt groß. „Mika spielt momentan sehr gutes Tennis. Er ist ein sehr guter Spieler, spielt aggressiv, kommt aus der Qualifikation und hat hier schon viele starke Gegner geschlagen. Ich erwarte einen großen Kampf“, so Reis da Silva. Mit der konkreten Vorbereitung wollte er sich unmittelbar nach dem Halbfinale allerdings noch Zeit lassen: „Jetzt genieße ich erst einmal diesen Moment mit meinem Team. So ein Gefühl hat man schließlich nicht jede Woche.“
NÖTV ehrt vier Mannschaftsmeister
Für einen besonderen Rahmen zwischen den beiden Einzel-Semifinalspielen sorgte am Samstag auch der Niederösterreichische Tennisverband. NÖTV-Präsidentin Petra Schwarz und Vizepräsident Hans Kirchknopf ehrten mit dem SV Hernstein (Herren 70+), KTK Krems (Herren 35+), UTC Mistelbach (Damen, Allgemeine Klasse) und TC Brunn (Damen 35+) vier Mannschaftsmeister auf dem Center Court.
ERGEBNISSE HAUPTBEWERB
Vitaliy Sachko (UKR) vs. Mika Brunold (SUI) 0:6, 2:6
Joao Lucas Reis da Silva (BRA) vs. Alex Barrena (ARG) 6:2, 6:3
Fotos: NÖ Open/Manfred Binder